Der IEA-Chefökonom mahnt Regierungen zum Einlenken. Ob das Öl im Jahr 2030 oder im Jahr 2040 ausgeht, ist letztlich egal, sagt Fatih Birol, Chefökonom der Weltenergiebehörde IEA. Denn schon lange vorher wird massiv Knappheit herrschen.
In einem ausführlichen, aufschlussreichen Interview des deutschen Magazins “Internationale Politik” (April-Ausgabe) warnt er, dass ab sofort bis 2015 in zunehmenden Maße Ölknappheit vorherrschen wird.
Höhere Nachfrage
Mehrere Gründe führt Birol dafür an. Zunächst wachse die Nachfrage dramatisch, vor allem wegen des sich ständig steigernden Ölbedarfs in aufstrebenden Schwellenländern wie Indien und China.
Förderquoten zu gering
Schon jetzt seien die Förderquoten zu gering. Täglich würden bereits 12,5 Millionen Barrel fehlen, das seien rund 15 Prozent des Weltölbedarfs. Das führe schließlich dazu, dass in den nächsten Jahren eine Lieferklemme entstehen werde und in weiterer Folge die Preise explodieren würden.
Schuld daran sei die Politik der erdölfördernden Länder vor allem des Mittleren Ostens. Die meisten der Ölgesellschaften dort befinden sich in staatlicher Hand. Es herrsche dort angesichts der endlichen Vorkommen die Meinung vor, man müsse auch für nachkommende Generationen noch Öl zur Vermarktung zurückhalten, so Birol.
Außerdem würden geringe Quoten zu verlockend hohen Erlösen führen – wenn die Nachfrage das Angebot übersteige.
Zu wenige Investitionen
Zudem wird laut Birol viel zu wenig in die Erschließung neuer Ölfelder investiert. Die IEA habe sich 230 Projekte in verschiedenen Weltgegenden angesehen. Und selbst wenn alle der bereits finanzierten Vorhaben realisiert würden, sei die Gesamtkapazität, die sie an neuer Ölförderung bringen könnten, zu gering.
Alternativenergie vernachlässigt
Noch immer finde das Umdenken in zahlreichen Staaten – auch der westlichen Welt – in Richtung alternativer Energiequellen viel zu langsam statt. Vor allem alternative Treibstoffe im Verkehrssektor müssten stärker genutzt werden.
Auch die Energieeffizienz müsste drastisch gesteigert werden, insbesondere sparsamere Autos, Lastwagen und Flugzeuge gebaut werden. Birol kritisiert etwa, dass derzeit Unmengen an Geld in neue Flughäfen investiert würden, ohne dass klar sei, ob für das anvisierte Wachstum auf längere Sicht genügend Treibstoff zur Verfügung stehe.
Warnungen nicht ernstgenommen?
Die Alarmglocken müssten längst schrillen, sagt Birol, die Zahlen sprächen für sich. Die IEA ziehe mit ihren Warnungen und Verbesserungsvorschlägen landauf und landab, auch durch Länder wie China und Indien. Doch letztlich bleibe es den einzelnen Staaten selbst überlassen, wie sehr sie die Warnungen ernstnehmen.
Afrika als Verlierer
Birol sieht derzeit wenig Chance auf ein Einlenken. Aber die Folgen der anwachsenden Ölknappheit würden sich schon bald katastrophal auswirken. Die zu erwartende drastische Preissteigerung beim Öl träfe zwar auch Industrienationen (“für die Wirtschaft wird das nicht gut sein”), vor allem aber wären Entwicklungsländer (allen voran afrikanische) die Verlierer der globalen Dynamik.
Nicht alles dem Markt überlassen
Birol fordert, die Lösung der genannten Probleme nicht den Märkten allein zu überlassen: “Dazu ist das Thema zu wichtig.” Sowohl die nationalen Regierungen als auch die internationalen Institutionen müssten die Regeln mitbestimmen und auf ihre Befolgung achten.
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